Steiniger Weg zum Vereinsrekord – Science City Jena erkämpft sich in Koblenz den 15. Sieg in Folge
Mit einer schweren, letztendlich jedoch erfolgreichen Geburt schrieb Science City Jena am späten Montagabend Vereinsgeschichte. Die Thüringer gewannen das erste Montagsspiel ihrer Bundesliga-Historie vor 762 Zuschauern bei den EPG Guardians Koblenz nach engem Spielverlauf mit 92:80, erkämpften den 15. Sieg in Folge und brachen somit ihre bisherige Bestmarke des Aufstiegsjahres 2016 (14 Siege in Folge).
Während das Harmsen-Team erneut auf die beiden verletzten Akteure Robin Lodders und Tyler Nelson zu verzichten hatte, avancierte Flügelspieler Robin Christen mit 24 Punkten zum Topscorer der lange Zeit engen Partie. Die abstiegsbedrohten Rheinland-Pfälzer hatten sich im Verlauf des Duells speziell kämpferisch von ihrer besten Seite präsentiert und boten dem ProA-Tabellenführer bis in die Schlussminute hartnäckig Paroli. Letztendlich konnte sich Science City Jena jedoch vor allem aufgrund der individuellen Qualität seines Kaders durchsetzen und den steinigen Weg in Richtung neuen Vereinsrekord erfolgreich beschreiten.
Am kommenden Sonntagnachmittag wartet im Heimspiel gegen den Traditionsclub der Gießen 46ers die nächste Bewährungsprobe. Die Hessen gastieren als aktueller Tabellendritter in der Sparkassen-Arena und kommen mit dem Rückenwind eines 90:88-Sieges in letzter Sekunde gegen BBL-Absteiger Crailsheim nach Burgau. Hier geht es zu den Tickets.
Venelin Berov (Headcoach EPG Guardians Koblenz): „Erstmal Gratulation an Björn und seine Mannschaft zum Sieg. Unser Ansatz war, dass wir unser Spiel spielen und dabei auf jeden Fall verbessern wollten. Hinsichtlich der Analyse des Jenaer Teams findet man nur wenige Schwachpunkte, sowohl in der Verteidigung als auch offensiv. Diese wenigen Punkte haben wir uns herausgepickt und versucht zu attackieren. Björn hat das extrem gut analysiert, da Jena unsere beiden Schwächephasen im zweiten und letzten Viertel aufgrund seiner individuellen Klasse genutzt hat. Es hat bei uns in diesen Phasen jedoch überhaupt nicht an Willen, Moral oder Charakter gemangelt, sondern es war letztendlich eine Frage der Energie. Wir sind auf dem richtigen Weg und ich bin stolz auf die Jungs. Wir müssen einfach so weitermachen.“
Björn Harmsen (Headcoach Science City Jena): „Danke für die Glückwünsche. Wir hatten ein schwieriges Wochenende inklusive der zurückliegenden Tage hinter uns, nachdem unsere halbe Mannschaft krank war. Insofern kam es uns entgegen, erst am Montag auflaufen zu müssen. Grundsätzlich sind wir ganz gut ins Spiel gestartet, haben dann allerdings im Anschluss defensiv nachgelassen. Es war schwer, sich nach dem Trainerwechsel auf das heutige Spiel vorzubereiten, da Koblenz am letzten Doppelspiel-Wochenende nur eine Begegnung absolvieren konnte. Unser Gegner hatte über eine Woche Zeit, um noch einmal Dinge zu verändern. Insofern war uns klar, dass wir im Spiel adaptieren müssen. Koblenz spielt jetzt deutlich schneller als vorher. Wir konnten das Tempo mitgehen und haben den Druck speziell auf die deutsche Rotation des Gegners aufrechterhalten und waren, wie oft, am Ende eines Spiels etwas frischer. Wir haben heute aufgrund der individuellen Qualität gewonnen, nicht weil wir den besseren Basketball gespielt haben. Unser Kader verfügt über sehr gute und erfahrene Spieler, die im richtigen Moment die richtigen Entscheidungen treffen.“
Robin Christen (Topscorer Science City Jena): „Ich denke, dass wir aus Koblenz einen sehr wichtigen Sieg mitnehmen konnten. Schön, dass wir mit diesem Spiel Geschichte geschrieben haben. Es war ein sehr hartes Stück Arbeit, nachdem wir nicht so gut ins Spiel gestartet sind. Wir konnten uns zum Ende hin allerdings steigern, in erster Linie defensiv und hatten zum Schluss die notwendige Energie. Es war definitiv keine einfache Begegnung für uns und wir können ganz sicher auch besser spielen. Dennoch steht unter dem Strich ein Sieg, aus dem wir wichtige Erfahrungen mitnehmen können. Es ist positiv und wertvoll, wenn man 15 Spiele in Folge gewinnt und weiterhin Dinge findet, an denen man arbeiten muss, um sich zu verbessern. Daran werden wir in dieser Woche arbeiten, um gegen Gießen den nächsten Sieg holen zu können.“
Alex Herrera (Center Science City Jena): „Das war ein hart erkämpfter Sieg. Wir haben definitiv nicht unseren besten Basketball gespielt, waren allerdings in Schlüsselmomenten konzentriert, um wichtige Punkte zu erzielen oder defensive Stopps zu generieren. In Summe war es ein wichtiger Auswärtssieg, aus dem wir einiges mitnehmen können, um uns vor dem Heimspiel gegen ein starkes Gießener Team zu verbessern.“
Obwohl Science City zunächst erfolgreich in die Partie gestartet war und nach einem Korbleger von Robin Christen mit 0:6 (2.) in Front lag, kippte das Spiel im weiteren Verlauf des Startabschnitts. Bedingt durch einen Mix aus vergebenen Chancen, einer nachlassenden Jenaer Defense sowie tapfer kämpfenden Gastgebern, hatte Koblenz den Spielstand nach einem energischen 12:0-Lauf auf 19:10 (6.) zu seinen Gunsten gedreht und setzte erfolgreich nach. Zwei Dreier von Leon Friederici zum 24:12 und David Böhm zum 27:14 (9.) sorgten zwischenzeitlich für die zur höchste Führung der Hausherren, bevor es beim Score von 29:19 in die erste Pause ging. Nachdem die Rheinland-Pfälzer auch zu Beginn des zweiten Abschnitts ihren Vorsprung konservierten, fand das Harmsen-Team anschließend nicht nur statistisch besser ins Spiel. Durch einen Distanzwurf von Robin Christen zunächst auf 31:31 (13.) ausgleichend, lieferten sich beide Kontrahenten in der Folge einen komplett offenen Schlagabtausch, der von seiner Spannung lebte. Unmittelbar vor den Kabinengang war es erneut Robin Christen vorbehalten, für den achten und letzten Führungswechsel der ersten Hälfte zu sorgen. Jenas erstliga-erfahrener Routinier hatte sein Team 55.2 Sekunden vor der Sirene mit 48:50 in Führung geworfen und die zwischendurch aufkommende Skepsis der für einen Montagabend beachtlichen 14 Gästefans beruhigen können.
Ungeachtet der klaren Favoritenrolle des Tabellenführers beim rheinland-pfälzischen Kellerkind blieben die EPG Guardians auch nach der Rückkehr ins dritte Viertel mutig und unbekümmert. Widerstandsfähig in der Defense, griffig-giftig in ihrer Offensive, bot Koblenz den Saalestädter weiterhin konstant Paroli und lag kurz vor dem finalen Break mit 69:67 in Führung, bevor sich einmal mehr Robin Christen als Momentum Shifter erwies. Mit seinem Dreier zum 69:70 schickte er Science City in die letzte Viertelpause. Allein zwölf Führungswechsel sowie 13 ausgeglichene Spielstände bis zur 30. Minute stehen als untrügliches Indiz einer sicher keineswegs hochklassigen, dennoch umkämpften, spannenden und ausgeglichenen Partie, mit der speziell im Jenaer Fanlager wohl so keiner gerechnet hatte. Auch wenn die Mannschaft von Venelin Berov im Verlauf der letzten zehn Minuten Schritt halten konnte, gelang es den Jenaern zunehmend besser, die entscheidenden Nadelstiche zu setzen. Die Koblenzer hatten sich bis zum Dunk von David Böhm in der 37. Minute und dem damit verbundenen 80:86-Anschluss nicht abschütteln lassen, zollten anschließend jedoch ihren kräfteraubenden Einsatz Tribut. Science City nutzte diese Phase, um nach zwei Freiwürfen von Chris Carter (38., 80:88) sowie einem Layup von Zach Cooks (80:90) 57 Sekunden vor Ultimo Fakten zu schaffen und das Duell endgültig zu entscheiden.
Punkteverteilung: Christen 24, Carter 17, Cooks 15, Herrera 8, Falkenthal 8, Moore 7, Morgan 5, Krause 3, Bank 3, Haukohl 2, Lang
Spielfilm: 1. Viertel 29:19 – 2. Viertel 48:50 – 3. Viertel 69:70 – 4. Viertel 80:92
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