Johannes Voigtmann im Interview: "Das wird für mich kein gewöhnliches Spiel"
Am Sonntag kehrt Münchens Fünfer und Nationalmannschafts-Center Johannes Voigtmann erstmalig im Rahmen eines Pflichtspiels an den Ort zurück, wo seine in den vergangen Jahren glanzvolle, erfolgreiche und von Titeln geschmückte Basketball-Karriere seinen Anfang nahm. Wir haben uns vor dem Schlagabtausch zwischen BBL-Aufsteiger Science City Jena und dem amtierenden Meister sowie aktuellen Tabellenführer von der Isar mit Joe unterhalten. Natürlich war eine eventuelle Rückkehr nach Jena ebenso Thema wie die schmalen, dennoch weiterhin bestehenden Chancen auf den Einzug in die Euroleague-Playoffs.
Johannes, der Winter hat sicher auch München fest im Griff. Wie geht’s Dir, zwischen euren unendlich vielen Spielen?
Aktuell geht’s mir ganz gut. Wir hatten viele Heimspiele, was bedeutet, dass man etwas mehr zuhause Zeit verbringt und nicht so oft in Fliegern unterwegs war. Das ist natürlich immer ein bisschen angenehmer. Abgesehen davon bin ich ein absoluter Wintermensch. Deswegen habe ich den letzten Monat, mit oder trotz viel Schnee, genießen können.
Ihr habt am 31.12. in Rostock gespielt, bevor das neue Jahr am 02.01. gegen Tel Aviv begann. Seitdem musstet ihr 17 Pflichtspiele absolvieren. Das Duell in Jena ist euer 18. Begegnung in diesem Jahr. Gab es außer deiner Heimkehr noch ein anderes Spiel, auf das du dich gefreut hast?
Prinzipiell freue ich mich tatsächlich auf alle Spiele. Ich bin sehr froh, dass ich nach dem Sommer wieder auf dem Parkett stehen kann. Deswegen genieße ich grundsätzlich jedes Duell. Allerdings ist das Spiel in Jena schon etwas besonderes. Ein paar Tage danach wartet dann aber auch schon der Pokal und auf das Wochenende freue ich mich ebefalls.
Auf Jena freuen ist das Stichwort für die nächste Frage. Wäre eine Rückkehr zu Science City am Ende deiner Karriere für dich vorstellbar?
Das Karriereende rückt ja langsam näher und ich werde abwarten müssen, was noch im Tank ist. Prinzipiell ist es natürlich vorstellbar, allerdings eben unter Vorbehalt der körperlichen Verfassung. Mit dem Gedanken anfreunden könnte ich mich jedoch schon.
Kannst du dich noch an dein erstes Profispiel im Jenaer Trikot erinnern?
An das Spiel mit gegen Karlsruhe kann ich mich tatsächlich noch erinnern. Das war damals noch in Lobeda-West und Georg Eichler war Coach und muss in der Saison 2010/2011 gewesen sein.
Du gehörst zur Goldenen Generation der deutschen Nationalmannschaft, bist Welt- und Europameister geworden. Welche Ziele strebt man nach solchen Erfolgen im Basketball noch an?
Kurzfristig gesehen, ist der Pokalsieg mit München ein für mich sehr erstrebenswertes Ziel. Ich habe während meiner Zeit bei Clubs in anderen Ländern noch nie den Cup holen können. Insofern wäre es langsam an der Zeit und ich hoffe, diese Lücke am TopFour-Wochenende schließen zu können. Das ist aber ein eher kurzfristiges Ziel. Ansonsten habe ich unglaublich viel Spaß am Gewinnen und genieße es, die Zeit mit der Mannschaft zu verbringen. Auch wenn es nach dem Saisonstart etwas schwierig ist, die Playoffs der Euroleague zu erreichen, kämpfen wir darum. Es gibt also noch einige Ziele, die ich erreichen will.
Du bist nach deiner Zeit in Jena über Frankfurt, Vitoria, Moskau, Mailand in München gelandet. Gab es irgendwann mal einen Moment, in dem du bereut hast, nicht in die NBA gewechselt zu sein?
Nein, keine Sekunde (lacht). Ich hatte während ein, zwei Phasen in meiner Karriere die Option, es zu versuchen. In den Momenten habe ich mich aktiv dagegen entschieden und bin sehr zufrieden mit diesem Entschluss. Ich passe sehr gut zum europäischen Spiel, habe viele Sachen gewinnen dürfen und mit vielen tollen Spielern zusammenspielen können. Deshalb bereue ich das überhaupt nicht.
Wie groß schätzt du eure Chancen ein, in der Euroleague weiterzukommen?
Es wird natürlich sehr sehr schwer. Es sind jetzt noch ein paar Spiele, wir liegen drei Siege hinter Monaco und haben den direkten Vergleich verloren. In Summe sind es also vier Spiele Rückstand. Das aufzuholen wird enorm schwierig, gerade bei den Auswärtsspielen. Insofern wird das knackig, aber wir haben dennoch eine Chance, wenn wir so weiterspielen, wie in den letzten Wochen. Ob wir es am Ende schaffen, steht auf einem anderen Blatt. Allerdings werden wir es definitiv versuchen. Dass wir nach unserem Saisonstart überhaupt wieder über die Playoffs sprechen können, ist schon überraschend.
Ihr habt mit Gordie die Saison begonnen, bevor Svetislav Pesic am 22. Dezember 2025 den Münchner Trainerstuhl übernommen hat. Was hat sich seitdem geändert?
Wir haben einige taktische Sachen angepasst und speziell in unserer Verteidigung ein paar Dinge verändert. Wir legen den Fokus auf andere Dinge, ohne jetzt ins Detail gehen zu wollen. Wir hatten zudem ein paar mehr Heimspiele, was auch ein wenig geholfen hat. Nachdem das Gefühl zurück war, dass wir wieder gewinnen können, kommst du dann in eine guten Rhythmus. Vorher haben wir die unmöglichsten Spiele verloren, aber jetzt läuft es wieder besser.
Du hattest dich während deiner Jahre bei ausländischen Clubs im Sommer oft in der Trainingshalle fit gehalten und vorbereitet. Hast du das in den beiden letzten Jahren nicht vermisst?
Ja, doch tatsächlich schon ein wenig. Zuletzt war es so, dass ich die Option hatte, in München zu trainieren. Davor war Olympia. Da gab es überhaupt keine Zeit, mich vorzubereiten. Es hat schon etwas gefehlt, aber vielleicht klappt es ja schon im nächsten Sommer wieder (lacht).
Ihr seid damals mit der NBBL nach einer ungeschlagenen Hauptrunde gegen Dennis Schröder und Daniel Theis im Playoff-Viertelfinale ausgeschieden. War das im Verlauf der letzten Jahre bei der Nationalmannschaft irgendwann noch einmal Thema?
Ich habe das Thema nicht angefangen, aber es kam tatsächlich noch einmal auf den Tisch. Ich glaube sogar, dass wir uns im letzten Sommer darüber unterhalten haben. Das war sehr bitter, weil wir damals eine richtig gute Mannschaft hatten, die Braunschweiger mit Dennis, Daniel & Co. allerdings auch. Es wäre schon ganz cool gewesen, ins Top4 zu kommen oder den Titel zu gewinnen. Dennoch haben wir es alle irgendwie überlebt.
Das ist dein erstes Spiel als Aktiver in der Sparkassen-Arena. Mit welchem Gefühl wirst du am Sonntag in Jena ankommen und auflaufen?
Genau. Ich weiß zwar noch nicht, mit welchem Gefühl ich die Arena betreten werde, freue mich aber schon unendlich darauf. Ich habe richtig Bock, in Jena zu spielen. Auch wenn ich schon häufiger zu Clubs in die Hallen zurückgekommen bin, für die ich bereits gespielt habe, ist das jetzt noch einmal etwas ganz Besonderes. Eben weil alles irgendwie in Jena begonnen hat, wird das kein gewöhnliches Spiel sein. Ich bin definitiv gespannt auf den Sonntag.


