Skip to main content

Heimkehrer Raphael Falkenthal im Interview: Es war jedes Mal schön, alle Jungs unserer Aufstiegssaison wiederzutreffen

 

Nach dem Erstliga-Aufstieg von Science City trennten sich die Wege, allerdings nur temporär. In der zurückliegenden ProA-Saison nach Bremerhaven ausgeliehen, hätte Jenas Youngster Raphael Falkenthal mit den Eisbären fast seinen nächsten Aufstieg feiern können. Am Ende setzte Phoenix Hagen im fünften und letzten Playoff-Halbfinale jedoch das Stoppzeichen für die ambitionierten Norddeutschen. Nach seiner Rückkehr an die Saale darf sich der 21-Jährige nun auf ein Wiedersehen mit unserem neuen Trainer Steven Esterkamp freuen. Wir trafen uns mit Falko in Burgau zu einem ausführlichen Gespräch. 

 

Falko, du kommst nach deiner einjährigen Leihe bei den Eisbären Bremerhaven zurück in die Heimat. Wie hast du die Zeit in Bremerhaven erlebt?

 

Ich bin zunächst sehr dankbar für die Zeit in Bremerhaven, eine Zeit, die mich menschlich, aber auch basketballerisch weitergebracht hat. Es war mein erstes Jahr, in dem ich komplett allein gelebt habe, weit weg von der Familie. Das hat mich schon ein Stück weit erwachsener gemacht. Sportlich habe ich durch unseren Trainer sehr viel Vertrauen erhalten, aber auch viel Spielzeit bekommen, die mir enorm geholfen hat. Ich hatte viele Menschen in meinem Umfeld, die mir den Alltag erleichtert haben und durch die ich mich weiterentwickeln konnte.

 

Du warst das erste Mal über einen längeren Zeitraum weiter weg von zu Hause. Wie bist du an der Nordsee klargekommen und was hast du am meisten vermisst?

 

Am meisten vermisst habe ich das schöne Wetter. Das war während meiner Zeit im Norden tatsächlich nicht ganz so prickelnd. Wenn die Sonne mal geschienen hat, waren der Hafen und ein paar Strände außerhalb von Bremerhaven wirklich lohnende Ausflugsziele. Ansonsten habe ich mit den Jungs mein Ding gemacht und bin auch so ganz gut klargekommen. Es gab ja auch ein paar Dinge, die man witterungsunabhängig unternehmen konnte.

 

Ihr habt Phoenix Hagen im Playoff-Halbfinale über die maximale Distanz von fünf Spielen ordentlich gefordert. Grundsätzlich war es ja dennoch ein sehr erfolgreiches Spieljahr in der ProA. Bist du trotz des Ausscheidens in den Playoffs kurz vor einem erneuten Aufstieg zufrieden mit dem Saisonverlauf?

 

Ich würde sagen, dass wir mindestens zufrieden aus der Saison gehen konnten. Wir hatten uns vor dem Spieljahr das Ziel gesetzt, in die Playoffs zu kommen und dann mal zu sehen, wie weit es gehen könnte. Mit dem Heimvorteil im Viertelfinale gegen die Artland Dragons hatten wir zunächst eine ganz gute Ausgangsposition. Das 3:0 liest sich am Ende allerdings deutlicher, als es tatsächlich war. Letztendlich haben wir mit plus 4, plus 2 und plus 5 nach Overtime eher enorm knapp gewonnen. Die Serie hätte schließlich in beide Richtungen gehen können. Im Halbfinale gab dann der Heimvorteil den Ausschlag. Von den drei Auswärtsspielen hätten wir das erste oder dritte Spiel in Hagen klauen müssen. Im Endeffekt können wir dennoch mit einer positiven Bilanz aus der Saison gehen, und ich bin sicher, dass Bremerhaven ein gutes Fundament für die nächsten Jahre legen konnte.

 

Wie würdest du deine persönliche Entwicklung in der Saison bei den Eisbären einordnen?

 

Nach einem toughen Start kam im November eine Verletzung hinzu, die sich bis Anfang Januar gezogen hat. Wie nach solch einer Pause immer braucht man dann etwas mehr Zeit, um wieder in Shape zu kommen. Ab der zweiten Saisonhälfte ging es kontinuierlich wieder aufwärts. Ich habe zunehmend besser meinen Rhythmus gefunden, und dann kam auch das Selbstvertrauen zurück. Rückblickend war ich mit dieser Saisonphase und der Entwicklung während dieser Zeit etwas zufriedener als davor.

 

Es gab im Frühjahr immer wieder Gerüchte um einen Wechsel ans College in die USA. Wie heiß war diese Geschichte und wäre das immer noch ein Thema?

 

Das College ist sicher für jeden jungen deutschen Spieler eine reizvolle Geschichte. Es war einfach ein Thema, weil es kulturell etwas komplett anderes ist. Die NCAA besitzt schon eine enorme Strahlkraft und ist auch wirtschaftlich eine starke Liga. Ich glaube, dass ich mit Jena eine gute Entscheidung getroffen habe, speziell mit Steven als Headcoach, und bin froh, dass ich mich für Science City entschieden habe.

 

Du hast bereits in Bremerhaven unter unserem zuletzt neu verpflichteten Trainer gespielt. Nach deiner Heimkehr triffst du Steven Esterkamp jetzt in Jena wieder. Kannst du deine Freude über ein Wiedersehen schon in Worte fassen?

 

Nee (lacht). Ich glaube, dass das für mich das perfekte Szenario ist. Ich weiß, was er will, er kennt mich und er weiß, was er von mir erwarten kann. Ich hoffe, dass ich weiter von ihm das Vertrauen bekomme, und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit. Er ist ein super netter, unterstützender und offener Coach, der aus eigener Erfahrung genau weiß, wie es ist, Spieler zu sein. Er hat ja selbst auf hohem Niveau gespielt, und das hilft, was den Umgang untereinander betrifft. Natürlich kann er, wenn nötig, auch mal härter werden und eine andere Rolle übernehmen. Im Sport scheint ja schließlich auch nicht jeden Tag die Sonne.

 

Hast du die Erstliga-Saison deines Heimatclubs regelmäßig verfolgt und wenn ja, welches Spiel ist dir am stärksten in Erinnerung geblieben?

 

Ich habe jedes Spiel gesehen, das ich gucken konnte, natürlich in Abhängigkeit vom Spielplan der Eisbären. Persönlich war ich in Oldenburg, in Hamburg und beim Heimspiel gegen Ulm dabei. Das Spiel in Oldenburg, speziell der Blowout in der ersten Hälfte, und das Comeback beim Ostderby gegen Chemnitz zu Hause sind mir in besonderer Erinnerung geblieben. Es war auch jedes Mal schön, alle Jungs unserer Aufstiegssaison wiederzutreffen.

 

Gab es Mitspieler aus Jena, mit denen du in der vergangenen Saison häufiger in Kontakt standest?

 

Häufiger ist in diesem Fall relativ. Ich habe ab und zu mit Robin, Alex, Lorenz, Krisi und Chris Carter geschrieben. Grundsätzlich alle Jungs, mit denen ich in der vorletzten Saison gespielt habe.

 

Wie oft hattest du Besuch aus Jena?

 

Prinzipiell und gefühlt schon oft. Also mindestens einmal alle zwei Monate, meist mit Wohnmobil für ein verlängertes Wochenende. Dazu kamen die Spiele, die in unmittelbarer Jenaer Umgebung stattfanden. Meine Freundin war auch sehr häufig vor Ort, obwohl sie einen noch längeren Weg zu bewältigen hatte. Da war ich schon sehr dankbar, dass sie diese Strecke auf sich genommen hat.

 

Musst du nach einer Saison Fischbrötchen erst wieder von echten Thüringern überzeugt werden oder stellt sich diese Frage gar nicht?

 

Ich habe meiner Erinnerung nach tatsächlich nur einmal Fischbrötchen gegessen, mich dafür umso stärker auf echte Thüringer gefreut. Es gab bei einem Discounter im Norden mal „echte Thüringer Bratwürste“, aber das kannst du ja auf gar keinen Fall miteinander vergleichen. Jetzt läuft die Grillsaison, und auf die Thüringer Klöße im Winter habe ich richtig Bock.

 

Mit welchem Gefühl startest du in die kommende Saison der easyCredit BBL?

 

Ich hoffe, dass es unserem Team gelingt, sich aus dem Tabellenkeller herauszuhalten. Grundsätzlich ist eine Einschätzung zu diesem Zeitpunkt eher schwierig. In unserem Kader fehlt ja noch der ein oder andere Spieler. Insofern sollten wir uns sicher zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal unterhalten.



 

 

Zurück