Gastfreundliche Oberfranken – Science City will Bamberger Negativserie in Freak City verlängern
Nur gut 44 Stunden nach dem kräftezehrenden Heimspiel gegen die SKYLINERS wartet am 1. November um 15.00 Uhr bereits die nächste Herausforderung auf Science City Jena. Am Sonntagnachmittag gastieren unsere Jungs beim amtierenden Pokalsieger BMA365 Bamberg Baskets. Während die Mannschaft von Trainer Steven Esterkamp ihren ersten Auswärtssieg anpeilt, wollen die Franken einen hartnäckigen Heimfluch abschütteln. Denn genau diese Statistik liefert reichlich Gesprächsstoff – und aus Jenaer Sicht durchaus Anlass zu vorsichtigem Optimismus.
7. Spieltag: BMA365 Bamberg Baskets vs. Science City Jena, 01.11.2026, 15:00 Uhr, Brose Arena, Live auf Dyn. Die Übertragung beginnt um 14:45 Uhr. Kommentar: Florian von Stackelberg. Das Spiel ist live im Stream und im Re-Live bei Dyn, inklusive aller Spielpläne, Tabellen und Ergebnisse im Basketball.
Statt „Freak City“ passt aktuell wohl eher „Frust City“. Ausgerechnet die Heimspielstätte, seit Jahren als emotionale und stimmgewaltige Festung der Oberfranken bekannt, entpuppte sich in der noch jungen Saison als ausgesprochen gastfreundliche Adresse. Vier Pflichtspiele haben die Bamberger bislang vor heimischer Kulisse absolviert, nach allen vier Duellen feierten die Gäste. Eine bemerkenswerte Bilanz für einen Club, der im letzten Spieljahr das Playoff-Halbfinale erreichte und den eigenen Briefkopf um den Titel des amtierenden Pokalsiegers erweitern konnte.
Dabei gastiert Science City mit einer Hypothek an der Regnitz, die weniger mit der Anreise als mit dem knappen Abstand zum letzten Spiel zusammenhängt. Noch am Freitagabend gegen Frankfurt gefordert, hatte sich das Team trotz einer engagierten Vorstellung mit 82:93 geschlagen geben müssen. Viel Zeit, diese Niederlage aufzuarbeiten, blieb somit nicht. Statt ausgiebiger Analysen standen Regeneration und die Vorbereitung auf die nächste taktische Herausforderung im Fokus.
„Das Auswärtsspiel in Bamberg wird sehr schwierig. Dort ist es nie einfach, und die Bamberger haben in dieser Saison bereits gezeigt, dass sie hochklassigen Basketball spielen können. Wir müssen uns schnell erholen und dann gut vorbereitet in die Partie gehen. Um eine Chance auf den Sieg zu haben, müssen wir 40 Minuten lang diszipliniert spielen und unseren Plan konsequent umsetzen. Für mich persönlich ist es zudem eine neue Erfahrung, in Bamberg zu spielen“, sagt Jenas Headcoach Steven Esterkamp vor der Partie.
Durchaus kurios liest sich unterdessen die fränkische Heimchronik. Zunächst unterlag die Mannschaft des Spaniers Jesús Ramírez in der BBL gegen Ludwigsburg mit 96:103, anschließend dem SYNTAINICS MBC mit 74:85. Auch international erwies sich die Arena bislang nicht als der erhoffte Rückhalt. In der Basketball Champions League setzte es zunächst ein 67:86 gegen Murcia, bevor am Dienstag mit der 61:95-Niederlage gegen Pallacanestro Varese eine Niederlage aus der Kategorie „Debakel“ folgte. Vier Heimauftritte, vier Niederlagen, eine Korbdifferenz von minus 71. Die Suche nach dem ersten Erfolg vor den eigenen Fans dürfte längst höchste Priorität genießen.
Dennoch sollte man die bisherige Heimbilanz der Oberfranken nicht vorschnell als Einladung zum entspannten Sonntagsausflug missverstehen. Dass die BMA365 Bamberg Baskets keineswegs unterschätzt werden dürfen, beweisen ihre bisherigen Auftritte in fremden Hallen. Mit einem 108:67-Blowout in Vechta, dem bemerkenswerten 98:83-Sieg bei Meister ALBA Berlin sowie dem jüngsten 80:70-Erfolg in Oldenburg kompensierte das Ramírez-Team seine Versäumnisse vor heimischer Kulisse.
Angeführt von Scharfschütze Jordan Wright (15,7 PpG, 4,5 RpG, 42,3 % 3PT) und Power Forward Trevon Scott (14,8 PpG, 4,7 RpG, 50,0 % 3PT) verfügen die Baskets über etliche weitere Optionen, die jeder gegnerischen Defensive maximalen Schaden zufügen können. Zum dynamischen Duo gesellt sich mit Richard Bálint (10,7 PpG, 2,3 ApG, 47,8 % 3PT), Joshua Obiesie (10,4 PpG, 3,4 RpG, 43,8 % 3PT), Mylik Wilson (8,5 PpG, 4,3 ApG) und Center Hason Ward (5,8 PpG, 5,0 RpG, 1,5 BpG) ein variables Quartett, das zwischen Perimeter und Zone für viel Stabilität sorgt.
Der historische Direktvergleich in der easyCredit BBL spricht eine ziemlich deutliche Sprache. Von bislang zehn Bundesligaduellen konnte Jena lediglich zwei gewinnen, achtmal behielten die Franken die Oberhand. Besonders die jüngere Vergangenheit fällt aus Thüringer Perspektive wenig erfreulich aus. In der Vorsaison unterlag Science City zunächst im Dezember in eigener Halle mit 81:102 und musste sich am Ostermontag beim Rückspiel in Bamberg nach hartem Kampf mit 75:81 geschlagen geben. Der letzte Jenaer Sieg über Bamberg liegt mittlerweile mehr als acht Jahre zurück. Im Februar 2018 gewann Science City vor heimischer Kulisse mit 85:68. Seitdem gingen sämtliche vier Bundesliga-Duelle an die Oberfranken.
Für Science City liegt genau darin allerdings auch eine Chance. Gelingt es den Thüringern, die anfängliche Energie aus dem Frankfurt-Spiel zu konservieren, die Fehlerquote zu reduzieren und insbesondere im Schlussviertel konzentrierter zu agieren, könnte die Nervosität auf Bamberger Seite mit zunehmender Spieldauer zum Faktor werden. Die Herausforderung besteht darin, trotz kurzer Regenerationszeit körperlich und mental auf Augenhöhe zu bleiben.
Das Ziel ist klar: Den Bambergern sei ihr erster Heimsieg wirklich gegönnt – allerdings erst im nächsten Duell am 14. November gegen die Telekom Baskets Bonn.


