Erst dominiert, dann gezittert, dann gewonnen – Science City Jena feiert in Westfalen seinen 12. Sieg in Folge
Mit einem 92:81-Sieg ist Science City Jena am Sonntagmorgen vom Gastspiel aus Münster zurückkehrt. Die Thüringer gewannen bei den Uni Baskets vor 2.850 Zuschauer in der Halle am Berg Fidel letztendlich verdient, mussten trotz einer 23-Punkte-Halbzeitführung zwischenzeitlich noch einmal zittern, bevor im Schlussabschnitt der Deckel drauf gemacht wurde. Von über 100 Fans lautstark unterstützt, avancierte Zach Cooks mit 20 Punkten zum Topscorer der Saalestädter, nur übertroffen von Münsters Seikou Jawara (26 Pkt.) und Nicholas Stampley (24 Pkt.), die den Boxscore für die Hausherren anführten.
Während die Mannschaft von Cheftrainer Björn Harmsen ihren mittlerweile 12. Sieg in Folge feiern konnte, bot das Spitzenspiel der BARMER 2. Basketball Bundesliga neben viel Spannung und Dramatik beste Unterhaltung. Science City Jena musste in diesem Duell auf Tyler Nelson (Muskelfaserriss) und Robin Lodders (Leistenprobleme) verzichten. Für den ebenfalls angeschlagene Flügelspieler Rasheed Moore hatte es unmittelbar vor der Begegnung grünes Licht für seinen Einsatz gegeben. Allerdings hatten auch die Westfalen in dieser Partie den Ausfall einiger Leistungsträger zu kompensieren.
Zach Cooks (Topscorer Science City Jena): „Das war eine großartige Rückkehr aus der Pause vor einer großartigen Kulisse. Münster ist ein gefährliches Team. Sie hatten ein enorm starkes drittes Viertel, aber wir waren in den wichtigen Phasen widerstandsfähig genug, um deren Comeback zu verhindern, weil wir in den entscheidenden Momenten wichtige Stopps geholt und unsere Big Shots getroffen haben. Die vielen Jenaer Fans waren sehr laut und haben uns richtig stark unterstützt. Für uns geht es in der kommenden Woche darum, Rhythmus zu bekommen, um auch am kommenden Doppelspiel-Wochenende erfolgreich zu sein. Zwölf Siege in Folge sind schon eine echt starke Leistung, auf der wir uns aber nicht ausruhen wollen. Schön, dass wir am Ende mit unseren Fans gemeinsam feiern konnten.“
Lorenz Bank (Science City Jena): „Wir haben eine enorm starke erste Halbzeit abgeliefert, in der unsere Würfe hochprozentig gefallen sind und in der wir über eine intensive Verteidigung und eine gute Ballbewegung einen deutlichen Vorsprung herausspielen konnten. In die zweite Hälfte sind wir nicht so gut gestartet und Münster konnte stark aufholen. Ab Mitte des dritten Viertels und im letzten Viertel konnten wir uns dann aber wieder stabilisieren, die Führung behaupten und in einer krassen Atmosphäre die zwei Punkte nach Hause mitnehmen.“
Raphael Falkenthal (Science City Jena): „Es war ein sehr spannendes und intensives Spiel mit vielen Läufen. Wir sind zunächst sehr gut reingekommen, hatten eine gute Intensität, den richtigen Fokus und konnten viele Rebounds holen. Nach der Pause sind wir etwas aus dem Tritt gekommen. In Kombination mit der lautstarken Halle konnte Münster noch einmal stark verkürzen. Dennoch haben wir am Ende die Kurve bekommen, um einen wichtigen Auswärtssieg mitnehmen zu können. Das war ein guter Test für die Playoffs.“
Krissi Krause (Science City Jena): „Das war ein sehr intensives und emotionales Spiel mit einem guten Ende für uns. Wir haben in der ersten Halbzeit extrem gut gespielt, dem Gegner wenig Chancen erlaubt, um ins Spiel zu kommen. Zu Beginn des dritten Viertels hatten wir dann einige Probleme, an die erste Hälfte anzuknüpfen und Münster auf Distanz zu halten. Trotz ihrer Drangphase haben wir es bis zum Schluss geschafft, die Kontrolle zu behalten und unsere Führung zu verteidigen. Münster ist ein sehr starker Kontrahent und die Halle, vor allem auch mit dem Publikum im Rücken, ist definitiv kein einfaches Parkett. Wir wurden durch die vielen mitgereisten Fans allerdings ebenso großartig gepusht. Letztendlich ist es uns gelungen, die Ruhe zu bewahren. Wir haben in der entscheidenden Phase den Puffer unseres Vorsprungs erfolgreich verteidigt und einen verdienten Auswärtssieg mitgenommen.“
Von über 100 Anhängern der EAG-Fanauswärtsfahrt-Fraktion stimm- und trommelgewaltig supportet, entwickelte sich früh ein Duell auf Augenhöhe, in dem sich zunächst kein Team etwas schenkte. Nachdem ein zwischenzeitlicher 9:0-Lauf der Jenaer von 9:7 auf 9:16 (5., Falkenthal 3er) etwaige Sorgenfalten im Gästeblock geglättet hatte, legte Science City im weiteren Verlauf des Startabschnitts erfolgreich nach. Inklusive der beiden Highlight-Plays von Robin Christen auf Alex Herreras gespielten Alley Oop zum 17:24 (8.) sowie Kristofer Krauses Korb zum 21:28 (9.) sorgte Youngster Raphael Falkenthal 15.7 Sekunden vor der Viertelsirene aus der Distanz für die erste zweistellige Führung der Saalestädter – 21:31. Stabile Quoten (abzgl. der Freiwürfe, 3/7) sowie eine griffige Defense hatten der Partie aus Jenaer Optik einen stabilen Drive verliehen, um optimistisch auf den zweiten Abschnitt zu blicken. Während es bis zur Halbzeitpause tatsächlich noch besser laufen sollte und sich die Gäste nach einem Dreier von Zack Cooks zum 36:56 (18.) über einen 20-Punktvorsprung gefreut hatten, machte Stephan Haukohls Distanzwurf parallel zur auslaufenden Shot Clock 38 Sekunden vor dem Halbzeitbuzzer das Jenaer Basketball-Glück im Gästeblock perfekt. Mit einem mächtigen 39:62-Pfund wiegenden Vorsprung hatte sich der ProA-Tabellenführer in Richtung Kabine verabschiedet.
Dominante Führungen bergen jedoch auch immer die Gefahr einer exponentiell wachsenden Fallhöhe. So auch an diesem Abend in der Halle am Berg Fidel, die zu Beginn der zweiten Hälfte einen wie entfesselt spielenden Gastgeber erlebte. Ohne die mentale und verkopfte Last eines verlorengeglaubten Spiels, drehten die Uni Baskets auf und verkürzten innerhalb von 101 Sekunden durch einen 10:0-Run auf 49:62. Obwohl der Spitzenreiter der BARMER 2. Basketball Bundesliga durch Münsters Sturmlauf merklich ins Wanken geriet, die Führung nach Jawaras Dreier zum 63:68 (27.) bedenklich geschrumpft war, behielt das Harmsen-Team einen verhältnismäßig kühlen Kopf. Bis zur 30.Minute hatte sich Science City mental wieder stabilisiert, um mit einer 68:78-Führung in die letzte Viertelpause zu gehen. Mit diesem Polster im Rücken konservierten die Thüringer zunächst ihren Vorsprung bis zur 33.Minute (72:83, Lorenz Bank, 3er), bevor die Uni Baskets zu ihrer letzten Aufholjagd bliesen. Mit einem 7:0-Lauf hatten es die Westfalen geschafft, die Tür zum Heimsieg tatsächlich doch noch einmal zu öffnen. Jasper Günthers Layup zum 79:83 (36.) hatte nicht nur das eigene Team euphorisiert, sondern auch die längst brodelnde Kulisse der Heimfans mitgenommen. Doch Science City konterte in dieser entscheidenden Phase mit alle seiner Routine, Qualität und Tiefe. So war es erst Kapitän Chris Carter, der sich als Veteran dieser Herausforderung stellte, als er in der 37. Minute humorlos aus der Distanz abdrückte und auf 79:86 erhöhte. Nachdem Robin Christen als Co seinem Kollegen auf die Brücke folgte und via Floater zum 79:88 vollendete, war der Drops dieser Partie gelutscht. Was folgte war die verdiente Siegerehrung des Jenaer Teams inmitten des Gästeblocks, der seine Helden gebührlich feierte.
Punkteverteilung: Cooks 20, Carter 16, Falkenthal 14, Krause 11, Moore 8, Christen 7, Haukohl 7, Bank 5, Morgan 2, Herrera 2
Spielfilm: 1. Viertel 21:31 – 2. Viertel 39:62 – 3. Viertel 68:78 – 4. Viertel 81:92
Die Pressekonferenz nach dem Spiel
Das Spiel im Re-Live auf Sportdeutschland TV


