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Tabellenführerbesieger mit der Schlusssirene – Science City gewinnt in Trier durch den letzten Wurf mit 95:94

Im Verlauf des Duells am Mittwochabend vor 5.346 Zuschauern in der Trierer SWT-Arena wäre wohl selbst Alfred Hitchcock neidisch geworden. Science City Jena gewann am 8. Spieltag der easyCredit BBL beim aktuellen Tabellenführer an der Mosel durch einen Buzzerbeater von Eric Washington hauchdünn mit 95:94 und verabschiedet sich nach diesem Erfolg mit einer äußerst positiven Stimmung in die gut zweiwöchige FIBA-Länderspielpause. Während die Saalestädter nach ihrem Viertelfinale-Aus im BBL Pokal am Montagabend bei ALBA Berlin innerhalb von 48 Stunden ihr zweites Pflichtspiel zu absolvieren hatten, präsentierte sich das Team trotz der Belastung hochmotiviert und mit dem nötigen Fokus. Im Verlauf der Partie bei den VET-CONCEPT Gladiators Trier war der Mannschaft von Björn Harmsen die kurze Pause nur phasenweise anzumerken.

 

Kurzfristig verzichten musste Science City in dieser Partie allerdings auf Veteran Robin Christen, der aufgrund von Knieproblemen verletzungsbedingt aussetzte. Auch wenn es im Duell der beiden Aufsteiger letztendlich einer individuellen Highlight-Aktion von Kapitän Eric Washington bedurfte, hatte Science City zuvor mit einer geschlossenen Leistung überzeugt, während der emotionalen Berg- und Talbahn-Fahrt zuvor einen zweistelligen Rückstand aufgeholt, im Schlussviertel allerdings auch (fast) verspielt.  

 


Björn Harmsen (Headcoach Science City Jena): „Wir sind total glücklich, dass wir das Spiel gewonnen haben. Für uns war es eine extrem harte Anfangsphase in der Saison mit so vielen Auswärtsspielen und auch heute mussten wir zwei Tage nach unserem Spiel in Berlin antreten und konnten uns so gut wie gar nicht auf das Spiel vorbereiten. Dafür haben wir es aber super gemacht. Wir haben es in der ersten Hälfte geschafft, drin zu bleiben - da hätten wir auch mit 20 zurückliegen können. Im dritten Viertel haben wir es in der Defensive deutlich besser gemacht. Auch die Offensive lief gut weiter, entscheidend war aber die Defense. Am Ende gingen uns die Kräfte aus und die wechselnde Verteidigung der Trierer hat unseren Rhythmus etwas gebrochen. Am Ende sind es dann zwei Possesions: wir hätten Adekunle ausboxen müssen, was wir leider nicht gemacht haben, aber am Ende trifft Washington dann den Wurf und sichert uns den Sieg.“

 

Jacques Schneider (Headcoach VET-CONCEPT Gladiators Trier): „Erstmal Glückwunsch an Jena, sie waren heute das bessere Team. Wir haben es gerade im dritten Viertel nicht geschafft, die defensive Intensität zu bringen, die es braucht, dieses Spiel zu gewinnen. Wir haben uns mit einem tollen Comeback in die Situation gebracht gewinnen zu können, aber so ist auch der Basketball, dass wir es heute mit dem letzten Wurf verloren haben. Wir hätten uns schon in der ersten Hälfte ein Polster aufbauen können, das ist uns wegen den Rebounds nicht gelungen.“

 

Joe Wieskamp (Topscorer Science City Jena): „Ich freue mich riesig über den Auswärtssieg bei einem wirklich starken Gegner. Glückwunsch natürlich an Eric zu diesem wahnsinnigen Buzzerbeater. Was für ein Wurf. Ich bin stolz auf die Mannschaft und den Kampfgeist, den wir nach dem schweren Pokalspiel am Montagabend gezeigt haben.“

 

Eric Washington (Kapitän und Matchwinner Science City Jena): „Trier hat ein gutes Team und steht nicht ohne Grund ganz oben. Wir wussten, dass es in dieser Atmosphäre schwer werden würde. Letztendlich sind das die Spiele und Situationen, auf die man die ganze Woche hinarbeitet. Während des Wurfs ist gefühlt die gesamte Saison vor meinem Auge vorbeigezogen. Ich hatte zuerst gedacht, dass der Schuss zu weit nach links geht und vom Ring wieder abspringt, aber am Ende ist er doch erfolgreich gefallen. Um in diese Situationen zu kommen, hat unser gesamtes Team hart gearbeitet. Ich danke Gott, dass er mir diese Chance gegeben hat. Grüße und Dank ebenso an alle Jena-Fans, die uns immer die Daumen drücken und unterstützen. Ich bin stolz und froh, dass wir euch diesen Sieg mit nach Hause bringen können. Wir nehmen diesen Erfolg jetzt mit in die Länderspielpause und werden versuchen, im Dezember daran anzuknüpfen.“

 

Naz Bohannon (Science City Jena): „Es war ein packender und am Ende auch verdienter Sieg gegen den bisher zu Hause noch ungeschlagenen Tabellenführer. Ich bin stolz auf unser Team und den Charakter, den wir im Verlauf dieses Spiels gezeigt haben. Auf diesen Sieg lässt sich aufbauen. Dennoch müssen wir weiterhin jeden Tag hart arbeiten, um auch in Zukunft solche Resultate erkämpfen zu können.“

 


 

Im Duell der beiden BBL-Rückkehrer entwickelte sich bereits das Auftaktviertel zu einer kurzweiligen Episode, in der beide Offensiv-Abteilungen im Vordergrund standen. Hatte Eric Washington mit seinem ersten Dreier zum frühen 2:3 Jenas erste Führung erzielen können, herrschte anschließend bei den Gäste Funkstille aus der Distanz. Trotz der eher suboptimalen Quote von außen (1/9) gelang es dem Harmsen-Team jedoch Anschluss zu halten und sich mit einem knappen Score von 26:24 in die erste Viertelpause zu verabschieden. Der zweite Abschnitt startete nach acht gespielten Sekunden mit einem Dunk von Great Osobor. Der frisch nominierte spanische Nationalmannschafts-Center hatte den Ball zum 26:26-Ausgleich durch den Trierer Ring geprügelt, bevor Jordan Rowland und Eli Brooks für die Rheinland-Pfälzer das Kommando übernahmen. Mit einem 11:0-Lauf innerhalb von zwei Minuten hatte das Duo die Gladiators auf 37:26 (12.) enteilen lassen und Jenas Defense vor einige Probleme gestellt. Doch Science City konterte, noch nicht allzu konstant, dafür aber zunehmend erfolgreicher. Nachdem Flügelspieler Joe Wieskamp den Run der Hausherren durch einen Dreier zum 37:29 gestoppt hatte, sorgten Lorenz Bank, Great Osobor und Naz Bohannon für wichtige offensive Impulse – und Körbe. So war es Science City in dieser für Kopf Beine sowie Arme schwierigen Phase gelungen, den meist an der Borderline zweistelliger Führungen kratzenden Trierer Vorsprung auf ein erträgliches Maß zu limitieren. Unmittelbar vor der Halbzeit hatte Chris Carter per Dreier zum 50:46 (17.) den Rückstand wieder fühlbar geschrumpft, bevor Naz Bohannon sieben Sekunden vor der Pausensirene zum 54:52-Halbzeitstand traf. Mit diesem marginalen Rückstand war Science City - zumindest gefühlt - relativ glimpflich davongekommen.

 

Was auch immer während der großen Pause in Jenas Kabine verteilt wurde, nehmt zukünftig gern mehr davon. Wie ein seitenverkehrter Spiegel des Pokal-Viertelfinales am Montag in Berlin eröffneten die Thüringer das dritte Viertel, diesmal allerdings im ALBA-Modus. Tavian Dunn-Martin hier, Krissi Krause da, Joe Wieskamp dort. Innerhalb von vier Minuten nach dem Start in die zweite Hälfte hatte Science City nicht nur die Begegnung sondern auch das Momentum komplett gekippt. Vor allem Joe Wieskamp war in den maßgeblichen Sequenzen kaum zu stoppen. Mit 13 Punkten sowie sieben Rebounds allein in diesem Abschnitt avancierte Jenas Flügelspieler zur treibenden Kraft des Richtungswechsels und ließ die Thüringer mit einem Score von 66:79 optimistisch in das Schlussviertel starten.

 

In den verbleibenden zehn Minuten überschlug sich das Duell dann aber noch einmal, mehrfach und meist ohne Gurt. Hatten die Jenaer nach einen Korb von Great Osobor zum 66:84 (31.) ihre höchste Führung des Spiels erzielt und liefen dem vermeintlich sicheren Auswärtssieg entgegen, zog Trier nun eine gefährlich scharfe Comeback-Klinge. Ein Dreier von Urald King zum 76:88 (34.) läutete die Aufholjagd der Gladiatoren ein und während eine anschließende Jenaer Auszeit wirkungslos verpuffte, verkürzten Eli Brooks und Jordan Rowland auf 81:88 (35.). Nachdem Björn Harmsen innerhalb von 72 Sekunden sein Team zum wiederholten Timeout bat, erhöhte Tavian Dunn-Martin zwar anschließend aus der Distanz wieder auf 81:91 (36.). Die Freude über den zweistelligen Vorsprung währte jedoch nur wenige Sekunden, da Jordan Rowland im direkten Gegenzug erneut auf 84:91 verkürzte. Mit seinem zweiten Crunchtime-Dreier zum 88:93 (37.) hatte Triers Guard nun auch die letzte Ecke der SWT-Arena atmosphärisch angezündet. 

 

Längst wirkte dieser Schlagabtausch wie die 12. Runde eines Schwergewichtskampfes, in dem Science City mehrere aufeinanderfolgende Haken kassiert hatte. Vorn vermeintlich einfache Layups liegenlassend und in der Defense um Luft ringend, schien Jena auf den letzten Metern die Kraft auszugehen. Die Gastgeber nutzten den Rückenwind ihrer Aufholjagd und griffen zwei fast entscheidende Offensiv-Rebounds inkl. anschließender Punkte ab (38., King, 92:93, 40., Adekunle, 95:94), die das Spiel kurz vor der Schlusssirene auf den Kopf stellten. Nach einem Seiteneinwurf bei nur noch fünf Sekunden Restspielzeit bekam Eric Washington den Ball und hielt im One-on-One-Matchup gegen Eli Brooks die Entscheidung in seinen Händen. Mit exakt 1.2 Sekunden auf der Schussuhr hob Jenas Kapitän ab und versenkte seinen Buzzerbeater zum gleichermaßen dramatischen wie von den Gästen umjubelten Auswärtssieg.

 


 

Punkteverteilung: Wieskamp 19 (15 Reb.), Washington 18, Osobor 18, Bohannon 12 (10 Reb.), Krause 9, Dunn-Martin 9, Bank 5, Carter 3, Braxton 2, Herrera – Christen (DNP)

 

Spielfilm: 1. Viertel 26:24 – 2. Viertel 54:52 – 3. Viertel 66:79 – 4. Viertel 94:95

 

Kompletter Boxscore

 

Die Highlights im Dyn-Video  

 

 

 

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