„Stani“ im Länderspielpausen-Interview: 'Unsere Physio-Kisten vermissen wir heute noch'
Unser Mannschaftsarzt Frank-Detlef Stanek gehört als Urgestein und langjähriger Wegbegleiter des Jenaer Basketballs bereits seit Dekaden zum (geschätzten) Inventar von Science City, hatte bis zuletzt aber auch in der medizinischen Abteilung der Deutschen Nationalmannschaft seinen festen Platz. Wir nutzten den zweiten FIBA-Break der Saison für ein ausführliches Gespräch, in dem uns der „Mann mit den goldenen Händen“ Einblicke in seine Zeit beim Deutschen Basketball Bund gewährt.
Stani, Du warst seit 2013 regelmäßig für den DBB und die Nationalmannschaft im Einsatz. Wie kam es zu deiner gefühlt 387. Aufgabe im Sport?
Frank Menz, mit dem ich ja schon in der Betreuung des TuS Jena zusammenarbeitete, hatte mich in seiner Zeit beim DBB mehrfach angefragt, ob ich die A2-Nationalmannschaft als Mannschaftsarzt betreuen könnte. Da hatte ich ihm immer wieder einen Korb gegeben. Als er dann Chefcoach des A1-Teams wurde, konnte ich bei seiner erneuten Anfrage nicht nein sagen.
Was war das schönste Erlebnis, das Du mit der Nationalmannschaft erlebt hast?
Das war voriges Jahr die Teilnahme an der Auszeichnungsveranstaltung für den Weltmeistertitel mit der Verleihung des Silbernen Lorbeers durch den Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier im Schloss Bellevue.
Hast du so etwas wie einen Lieblingsspieler in der Nationalmannschaft?
Die Zusammenarbeit mit allen Spielern hat Spaß gemacht. Da ist es wirklich schwer, jemandem hervorzuheben. Aber na klar, das ist Johannes Voigtmann, den ich ja schon aus Zeiten am Sportgymnasium kenne und ihn bei seinem Debüt in der Nationalmannschaft in Trento (Italien) bei einem 3-Nationen-Turnier betreut habe. Damals gab auch Maxi Kleber sein Debüt. Weitere Favoriten sind Robin Benzing und Franz Wagner, den ich schon seit 2019 von der U18- Europameisterschaft kenne. In dem Jahrgang waren damals auch Malte Delow und Ariel Hukporti dabei.
Wer war der umgänglichste und angenehmste Patient im Adler-Trikot?
Neben Jo Voigtmann wären da sicherlich Niels Giffey, Johannes Thiemann, Moritz Wagner und Andy Obst zu nennen.
Zu welchen Spielern hat sich der Kontakt über die Jahre gehalten und wer kommt ab und zu noch in deiner Praxis vorbei?
Zu Johannes und seiner Familie, auch zu Lukas Wank. Basti Doreth war kürzlich auch mal da.
Welche Reise mit dem DBB war die aufregendste und auf welche hättest Du auch gern verzichten können?
Die aufregendste Reise war sicherlich die Rückreise 2022 aus Tallinn über Frankfurt nach Bremen zum letzten WM-Qualifikationsspiel gegen Polen. In Tallinn gab es zunächst keinen Flieger, angekommen in Frankfurt viel zu spät, gab es den Flieger nach Bremen nicht mehr. Am Gepäckterminal herrschte viel Chaos und das gesamte Gepäck war weg. Zum Glück gab es einen Busfahrer in Heidelberg, der uns mit unserem Handgepäck in der Nacht spontan nach Bremen gefahren hat. Das Gepäck kam erst zwei Tage später nach. Unsere Physio-Kisten vermissen wir allerdings heute noch. Am Ende haben wir aber gegen Polen gewonnen und die Welt hat wieder gestimmt.
Verzichtet hätte ich auf all diese Reisen eher ungern. Auf eine vielleicht - die nach Trier im Juli 2021 zur Olympiavorbereitung, als Hochwasser im Ahrtal herrschte. Unser Hotel lag direkt an der Mosel und wir sahen mit großem Schrecken das auch hier steigende Hochwasser, das bis kurz vor dem Hoteleingang stand. Ich hatte Glück und bin damals gerade noch so nach Hause gekommen.
Du hast im Verband und im Verein etliche Trainer kommen und gehen sehen. Welche Zusammenarbeit war die deiner Meinung nach unkomplizierteste?
Frank Menz, Muki Mutapcic, Chris Fleming, Henrik Rödl, Gordon Herbert, bei der U18 Patrick Femmerling – alle mit einem eigenen Stil. Frank, Henrik und Patrick waren die unkompliziertesten. Im Verein kenne ich nun Björn schon seit seiner Zeit am Sportgymnasium und habe unter ihm die größten Erfolge erlebt. Da ist die Verständigung und Zusammenarbeit kein Problem.
Wann warst du das letzte Mal bei einem Arzt, weil es dir nicht gut ging?
Vor einem Jahr bei der HNO-Ärztin mit meinen Hörproblemen und kürzlich beim Zahnarzt. Ansonsten fühle ich mich altersentsprechend fit und kuriere mich selbst, wenn nötig.
Wir hatten das Thema schon im Frühjahr 2024 vor den Playoffs gegen Frankfurt. Wie hat sich dein Zeitmanagement im Verhältnis beruflich und privat während der letzten Monate verändert? Müssen wir uns tatsächlich Sorgen machen, dass unser Stani demnächst in Rente geht?
Ich habe den Zeitaufwand schon etwas zurückgeschraubt, zumal ich jetzt ja in einer Gemeinschaftspraxis arbeite. Da sind vier Enkel hier in Jena - 12, 7, 4 und 1 Jahr – die dafür von Oma und Opa mehr Zeit und Aufmerksamkeit geschenkt bekommen.
Ist schon absehbar, dass es einen Nachfolger für deine Praxis im Sportgymnasium gibt?
Ja, das ist meine Schwiegertochter Sophie. Wir arbeiten jetzt schon über drei Jahre zusammen in der Praxis. Sie ist Fachärztin für Allgemeinmedizin und hat alle Zusatzqualifikationen, die für die Sportlerbetreuung notwendig sind, also Sportmedizin, Manuelle und Physikalische Therapie. Sie wird im April die Praxis übernehmen und ich werde angestellt sein. Seitens der Verwaltungsberufsgenossenschaft habe ich aber noch über die nächsten zwei Jahre eine Zulassung für die Arbeit als Mannschaftsarzt.
Welche Spieler würdest du gern mal wieder in Jena als Zuschauer treffen?
Das wären ganz viele. Ali Seggelke und Immanuel McElroy kommen ja manchmal noch vorbei. Da wären aber gerade aus den Anfängen noch Oli Braun, Michael Lake, Sean McCaw, Gregor Linke zu nennen oder auch Guido Grünheid und Ermen Reyes-Napoles.
Was traust du den Jungs von Science City Jena in dieser Saison zu?
Ich traue Ihnen schon zu, dass sie sich in der heißen Phase der Playoffs behaupten können und ganz vorne dran sind, wenn es um den Aufstieg geht.
Worin bestehen deiner Meinung nach in diesem Spieljahr die größten Unterschiede im Vergleich zur Vorsaison?
Wir haben einen tieferen Kader mit erfahreneren Spieler auf einem hohen Leistungsniveau Wir pflegen ein besseres Zusammenspiel im Vergleich zur Vorsaison, zeigen deutlich weniger Nerven, insbesondere im letzten Viertel und wir haben einen super Teamgeist.
An dieser Stelle gilt Frank-Detlef Stanek nicht nur ein großer Dank für das Gespräch, sondern in erster Linie für seinen Einsatz als jederzeit ansprechbarer Mannschaftsarzt, der sich nicht selten auch während seiner Freizeit um die größeren und kleineren Probleme unseres Kaders kümmert. Danke, Stani!


