Raphael Falkenthal im EM-Rückblick: „Es waren neun ziemlich ereignisreiche Tage“
Gerade erst aus dem Urlaub kommend und auf der Heimfahrt nach Jena unterwegs, wurde Science-City-Youngster Raphael Falkenthal zuletzt für die Nachwuchs-Nationalmannschaft des DBB zur diesjährigen U20-Europameisterschaft nachnominiert. Während das Team von Bundestrainer Martin Schiller gegen den späteren Titelträger Frankreich im Achtelfinale unterlag und die jungen Adler in der Endabrechnung auf dem 12. Platz landeten, kehrte „Falko“ Anfang dieser Woche an die Saale zurück. Grund genug, um gemeinsam mit dem 19-jährigen Jenaer Eigengewächs auf die Europameisterschaft zurückzublicken.
Du wurdest für die U20-Nationalmannschaft nachnominiert. Wie verliefen die letzten Tage während der Europameisterschaft in Polen aus deiner Sicht?
Nachdem wir in München gelandet sind und auf der Heimfahrt nach Jena unterwegs waren, kam der Anruf von Martin Schiller, dem Bundestrainer der U20-Nationalmannschaft. Hinter dem Einsatz des etatmäßigen Point Guards standen noch ein paar medizinische Fragezeichen und so wurde ich nachnominiert. Innerhalb der drei Tage in Jena habe ich Zeit in der Halle verbracht, um mich wenigstens ein bisschen auf die Nationalmannschaft vorzubereiten. Anschließend ging es in ein viertägiges Trainingslager nach Kienbaum, bevor wir Donnerstag zur EM nach Polen aufgebrochen sind.
Die Europameisterschaft lief bis zum letzten Sonntag. Wir haben uns noch das Finale zwischen Frankreich und Slowenien angeschaut und dann ging es wieder zurück in die Heimat. In Summe waren es neun ziemlich ereignisreiche Tage. Frankreich hatte schon ein wenig Glück während des Turniers, wenn man das so sagen darf, konnte sich am Ende dann aber eben auch verdient den Titel sichern.
Ihr seid mit einer deutlichen Niederlage gegen Italien gestartet (67:87), habt anschließend in der Vorrunde zwei Spiele (CZE vs. GER 72:87, GER vs. ISR 73:61) gewonnen. Trotz der positiven Bilanz musstet ihr im Achtelfinale ausgerechnet gegen Frankreich antreten. Ein doch eher undankbarer Gegner im Überkreuzvergleich...
Auf jeden Fall. Die Konstellationen unserer beiden Gruppen waren enorm ausgeglichen und nur schwer vorherzusehen. Wir hätten mit einer entsprechenden Differenz gewinnen müssen, um den 2. Platz zu erkämpfen. In der anderen Gruppe mit Frankreich, Polen, Serbien und Griechenland war es noch ausgeglichener. Uns wäre Polen oder eines der anderen Teams im Achtelfinale auch lieber gewesen.
Bis zur Halbzeit habt ihr gegen die Franzosen gut mitgehalten, bevor der spätere Europameister das Spiel in der zweiten Hälfte deutlich mit 78:103 gewinnen konnte. War der Gegner so stark oder habt ihr es Euch selbst zuzuschreiben?
Ich denke, es war am Ende ein Mix aus beidem. Wir hatten zu viel Respekt und Frankreich ein Team, dass so etwas gnadenlos nutzt. Sie haben ihre Stärken im Tempo und in der Transition. Wir hätten mit mehr Selbstbewusstsein spielen müssen, haben uns 26 Turnover geleistet und bei dieser Zahl von Ballverlusten wird es schwer, ein Spiel zu gewinnen. Frankreich kam am Ende auf 19 Steals aus denen zahlreiche einfachen Punkte resultierten. Wir haben uns so ein wenig selbst das Leben schwer gemacht.
In den Platzierungsspielen konntet ihr zu Beginn Montenegro (86:58) deutlich schlagen, bevor die Niederlagen gegen Israel (58:67) und Serbien (68:75) am Ende nur für den 12. Platz gereicht haben. Wie lassen sich diese beiden Niederlagen erklären?
Der Sieg gegen Montenegro war für uns enorm wichtig, um die EM-Teilnahme an der A-Division 2025 zu sichern und nicht gegen den Abstieg in die B-Gruppe spielen zu müssen. Nachdem wir dieses Ziel erreicht hatten, war dann so ein wenig die Luft raus. Wir konnten während der beiden Niederlagen nicht mehr die nötige Intensität abrufen und dann gehen solche Spiele leider verloren.
Du hast verhältnismäßig kurze Einsatzzeiten bekommen. Lag das eher am urlaubsbedingten Fitnessrückstand, am späten Einstieg und der doch eher spontanen Vorbereitung mit der U20-Natio oder an anderen Umständen?
Letztendlich war das eine Kombination aus vielen unterschiedlichen Faktoren. Vor der EM standen hinter dem Einsatz von Jakob Ensminger ein paar medizinische Fragezeichen. Deswegen bin ich ja überhaupt noch in den U20-Kader nachgerückt. Nachdem er dann doch die ärztliche Freigabe erhielt, haben sich die Rollen und die Spielzeiten geklärt. Mir war schon bewusst, dass genau dieser Fall eintreten könnte. Insofern hatte ich deswegen keine schlaflosen Nächte. (lacht)
Die Saisonvorbereitung mit Science City Jena steht Anfang August unmittelbar bevor. Mit welchen Ambitionen, Zielen und mit welchem Gefühl gehst du in das kommende Spieljahr?
Primär wichtig ist, dass wir uns schnell als Mannschaft finden und in der Saison kontinuierlich steigern. Ich persönlich möchte ein wichtiger Bestandteil des Teams sein, meine Leistungen im Vergleich zum letzten Spieljahr verbessern und dazu beitragen, eine erfolgreiche Saison zu spielen. Wir wollen ganz sicher so weit oben wie möglich mitspielen. Wo wir am Ende landen können, lässt sich vor der endgültigen Kaderzusammenstellung aber nicht wirklich vorhersagen. Da können wir uns gern im Dezember oder im Februar 2025 noch einmal unterhalten.
Kurzer Schwenk zu den noch größeren Jungs des DBB. Am Samstag starten die Olympischen Spiele in Paris für die Herren von Bundestrainer Gordon Herbert, die als amtierender Weltmeister ins Rennen gehen. Der Showcase gegen die USA in London sah aus deutscher Sicht trotz der knappen Niederlage ziemlich vielversprechend aus. Was traust du der Mannschaft mit dem Ex-Jenaer Johannes Voigtmann zu?
Der Showcase gegen die USA war wirklich ein enorm gutes Spiel. Ich glaube, dass unsere Nationalmannschaft über sehr viele und variable Qualitäten verfügt und auch die Eingespieltheit aus den letzten Jahren ein großer Vorteil sein kann. Allerdings ist die Konkurrenz bei den anderen Teams eben auch nicht schwächer geworden. Am Ende sind es sicher acht, neun Anwärter, die um eine Medaille kämpfen können und werden. Im Endeffekt brauchst du zum vorhandenen Können auch ein wenig Glück und einen passenden Turnierbaum. Ich drücke der Mannschaft auf jeden Fall die Daumen für eine Medaille.


