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NBBL-Trainer des Jahres Marius Linartas im Interview - Ich bin stolz auf unsere Jungs und ihre Saison

Während die Entscheidung bei der Besetzung des Trainerstuhls für den Erstliga-Kader von Science City Jena wohl noch ein paar Tage dauern dürfte, ist diese wichtige Personalie im NBBL-Team von Science City Jena geklärt. Zuletzt beim Top4-Final-Turnier der U16- und U19-Bundesligen als NBBL-Trainer des Jahres ausgezeichnet, gäbe es auch keinen Grund, auf die Expertise von Marius Linartas zu verzichten. Mit der Rückkehr von Science City Jena in die A-Division der NBBL und dem Vordringen bis ins Playoff-Viertelfinale gelangen dem erfahrenen Litauer und seinem Team zwei Erfolge, welche die Messlatte für den Kader der nächsten Saison eher hoch angesetzt haben. Wir unterhielten uns mit dem 52-Jährigen nach der Rückkehr aus der Hauptstadt.

 

Marius, du bist zum Coach des Jahres ausgezeichnet worden. Kam dieser Award für dich überraschend?

 

Die Auszeichnung kam für mich tatsächlich doch eher überraschend. Ich selbst hatte für den Bonner Coach gevotet, da auch seine Jungs in der B-Division gespielt haben, in der regulären Saison ungeschlagen geblieben sind und am Ende ein überaus erfolgreiches Spieljahr absolviert haben.

 

Wie stolz bist du auf diese Auszeichnung? 

 

In erster Linie ist Basketball ein Mannschaftssport. Zu einer erfolgreichen Saison gehören immer viele unterschiedliche Faktoren. Insofern sind solche Titel nur äußerst selten persönliche Awards, auch wenn sie an Einzelne übergeben werden. Ohne Team, Spieler, Physios, die medizinische Abteilung, wäre so etwas nicht vorstellbar. Hinzu kommen natürlich auch die Lehrer am Sportgymnasium in Jena sowie alle Eltern, die unsere Jungs in dieser Saison so großartig unterstützt haben, völlig egal in welcher Halle wir angetreten sind. Letztendlich haben ziemlich viele Menschen ihren Anteil an diesem Award. Individuelle Auszeichnungen sind zwar eine schöne Momentaufnahme, stehen letztendlich aber stellvertretend für die Arbeit, die sich auf viele Schultern verteilt. Mein und unser Dank gilt allen, die uns unterstützt haben. 

 

Du warst zum TOP4 in Berlin. Welche Eindrücke konntest du aus dem Final-Turnier mitnehmen?

 

Es war eine sehr gute Veranstaltung in der Sömmeringhalle, von viel Intensität und Physis geprägt. Die Mannschaften waren körperlich deutlich größer als unsere Gegner in der regulären Saison. Man hat ja schon bei den Konkurrenten in unserer Aufstiegsrunde und in den Playoffs gemerkt, dass es zunehmend härter wird, dagegenzuhalten. Würzburg, Ludwigsburg und Frankfurt im Viertelfinale waren wesentlich größer, physischer und athletischer als die Kader zuvor. Zudem hat man die Erfahrung gesehen, über die einzelne Leistungsträger der Teams verfügen. Es gibt ja mittlerweile auch in der NBBL genügend Spieler, die parallel in der ProB bis zur BBL zum Einsatz kommen. In den Halbfinals und Endspielen haben überwiegend individuell starke Leistungen den Ausschlag gegeben und am Ende haben die stärksten Teams gewonnen.

 

Abgesehen von wenigen Niederlagen war das eine überaus erfolgreiche Saison. Wie fällt deine Bilanz aus?

 

Ich würde schon sagen, dass unsere Saison erfolgreich verlaufen ist. Vielleicht so ähnlich wie vor vier Jahren, als wir uns mit Ulm im Viertelfinale duelliert haben. Die Ulmer hatten unter ihrem damaligen Trainer Anton Gavel schon damals einige ProB-Spieler in ihren Reihen, waren ebenfalls größer und physischer. In diesem Spieljahr waren wir deutlich knapper dran, hatten bis in die Schlussphase des dritten Viertelfinales in Frankfurt die Chance auf den Top4-Einzug. Da haben einige Entscheidungen während der Schlussphase, sowohl defensiv als auch vorn, den Sieg gekostet. An diesem Tag hat dennoch das bessere Team gewonnen und trotz dieses Resultats und der ersten Enttäuschung können wir mit der Saison und ihrem Verlauf sehr zufrieden sein.

 

Ihr habt den Wiederaufstieg geschafft, seid trotz der Außenseiterrolle ins Playoff-Viertelfinale eingezogen. Wie stolz bist du auf das Team der letzten Saison?

 

Unabhängig von der sportlich erfolgreichen Saison bin ich auf jeden Spieler stolz, weil unser Team speziell in seiner persönlichen Entwicklung einen großen Schritt in Richtung professionelles Niveau gemacht hat. Wir mussten beispielsweise in dieser Saison auf keinen Spieler krankheitsbedingt verzichten, da sich die Jungs eigenverantwortlich um ihre Gesundheit gekümmert haben. Verletzungen im Training oder im Spiel können immer passieren, aber davon abgesehen, war ein Bewusstsein unter den Spielern zu erkennen, das vor ein paar Jahren noch nicht so ausgeprägt war. Eine gute Vorbereitung auf Training oder Spiele ist letztendlich Teil des professionellen Lebens als Sportler. Da haben unsere Jungs große Fortschritte gemacht. Wir haben auch beim Thema Ausdauer eine gute Entwicklung genommen, viele Duelle am Ende gewonnen oder zumindest bis zur letzten Sekunde gekämpft. Auch die mentale Stärke des Teams, nach den Niederlagen in Würzburg, in der Aufstiegsrunde oder während der Playoffs in Ludwigsburg und in Frankfurt so zurückzukommen, war sehr beachtlich. Wir haben nie aufgegeben, Rückschläge aufgearbeitet und es im nächsten Aufeinandertreffen meist besser gemacht. Es hat mich stolz gemacht, wie unsere Spieler ihre Leistungen reflektiert, Fehler analysiert und versucht haben, diese Defizite abzustellen. Auch da hat unser Team eine sehr gute Entwicklung durchlaufen.

 

Ihr habt in der Hauptrunde, um den Aufstieg und in den Playoffs gegen zahlreiche Teams gespielt. Welcher Gegner war der härteste?

 

Unter dem Gesichtspunkt der Physis war die Ludwigsburger Mannschaft. Der Kader hatte Größe, war sehr physisch, aggressiv und selbstbewusst. Dennoch haben wir sie in zwei basketballerisch guten Spielen schlagen können. Ähnlich gut war Würzburg aufgestellt. Frankfurt war hingegen etwas kleiner, verfügt jedoch über eine stabile Zuordnung, in der jeder Leistungsträger seine Rolle kannte. Zudem hatte das Team schon einen etwas größeren Erfahrungsvorsprung.

 

Im dritten Viertelfinale in Frankfurt haben am Ende ein paar Minuten zum Top4 gefehlt. Wie lange hat es bei dir gedauert, um die Enttäuschung abzuhaken?

 

Im Nachwuch-Basketball geht es sehr häufig um die Erfahrungen, die du aus den Siegen, aber auch aus Niederlagen mitnimmst. Wenn du dir heute noch einmal die letzten Minuten von Spiel 3 in Frankfurt anschaust, wirst du schnell erkennen können, was man besser oder erfolgreicher hätte machen können oder müssen. Ein paar Entscheidungen, die wir anders getroffen hätten und das Spiel wäre möglicherweise in unsere Richtung gegangen. Dabei geht es nicht um Enttäuschung, sondern darum, das Resultat zu akzeptieren und es im nächsten Spiel besser zu machen, selbst nach einer Playoff-Viertel Finalrunde. Es gibt die Weisheit: „Entweder du gewinnst oder du lernst“ nicht ohne Grund und die gilt insbesondere auch im Nachwuchs-Basketball.

 

Die Nachwuchsmannschaften sind ja nach Jahrgängen gestaffelt. Wird es in der NBBL einen altersbedingten Umbruch geben? 

 

Uns werden über den Sommer sicher einige Leistungsträger verlassen, weil sie für die NBBL-Mannschaft zu alt sind. Auf der anderen Seite steht uns ein Großteil der Jungs zur Verfügung, die ungeachtet ihrer Rollen in diesem Jahr mehr Verantwortung zu übernehmen haben und von der Erfahrung aus dieser Saison profitieren werden. Einige Spieler werden aus der JBBL dazukommen und ihre Erfahrungen machen. Der Umbruch wird nicht ganz so umfangreich ausfallen wie in anderen Jahren.

 

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