Diese Emotionen sind nur schwer zu beschreiben - Jenas 18-jähriger Youngster Daniel Biel im Interview
Er war einer der Überflieger des zurückliegenden Spieljahres. Im BBL-, Regionalliga- sowie NBBL-Kader zum Einsatz kommend, kann Daniel Biel auf herausfordernde, bewegende sowie erfolgreiche Wochen und Monate zurückblicken. Wir haben seine Rückkehr vom Top4 in der Berliner Sömmeringhalle inkl. der Ehrung zum „Defensive Player of the Year“ in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga genutzt, um uns mit dem bodenständigen Jenenser zu unterhalten.
Daniel, der Sommer ruft. Die letzte Saison ist für dich unglaublich erfolgreich verlaufen. Welcher deiner vielen Höhepunkte war das Most Valuable Highlight?
Also, da muss ich differenzieren. Rückblickend für meine Laufbahn waren das sicher meine Erstliga-Premiere in München und die weiteren Einsätze für Science City Jena im Verlauf der weiteren BBL-Saison. Persönlich waren es die Meisterschaft und der Aufstieg mit Culture City. Ohne konkrete Wertung für das eine oder andere Team geht es dabei eher um das Gefühl, persönlich mehr für das Team geleistet zu haben. Meine Rolle in Weimar war ja mit deutlich mehr Verantwortung eine ganz andere als für Science City. Das erklärt es vielleicht ein wenig besser.
Nach deiner Erstliga-Premiere in München konntest du nennenswerte Spielzeit in der BBL sammeln. Du bist Jenas Nachwuchssportler des Jahres geworden, hast als Defensive Player of the Year mit der NBBL das Playoff-Viertelfinale erreicht, bist mit Weimar Meister der Regionalliga-Saison geworden – mit der Option auf den ProB-Aufstieg. Das wird in der kommenden Saison schwer zu toppen sein, oder?
Zunächst mache ich das ja nicht für individuelle Auszeichnungen, sondern weil ich den Sport liebe. Grundsätzlich betrachtet sind BBL und ProB in der nächsten Saison schon eine riesige Herausforderung, ohne es mit dem letzten Spieljahr vergleichen zu wollen. Wenn man es am Ende aber so betrachtet, ist es schon eine Verbesserung.
Wohin geht die Reise von Daniel Biel in der Saison 2026/2027?
Natürlich bleibe ich in Jena. Ich gehe davon aus, dass ich bei Culture City eine noch zentralere Rolle spielen werde und hoffe, meinen Kaderplatz bei Science City halten, festigen und auch ausbauen zu können.
Du hast das gesamte Jenaer Nachwuchsprogramm durchlaufen. Wie fühlt es sich an, als Jenenser plötzlich in der höchsten Spielklasse für den Heimatclub auf dem Parkett zu stehen?
Diese Emotionen, als Spieler vor den eigenen Fans auflaufen zu können, sind nur schwer zu beschreiben. Nachdem ich das erste Mal als Zuschauer in der Arena war – da muss ich 12 Jahre alt gewesen sein – haben mich die Stimmung und die extrem coole Atmosphäre sofort gefesselt. In dem Augenblick stand für mich fest, dass ich solche Momente auch unbedingt als Spieler erleben möchte. Nachdem ein paar Freunde während der Zeit ab der JBBL aussortiert wurden und es nicht geschafft haben, oben anzukommen, war klar, dass es nicht so einfach wird. Man merkt, dass die Professionalität zunimmt und man immer mehr investieren muss, um den gesamten Weg gehen zu können. Auch wenn es nicht immer einfach war, habe ich an mich geglaubt und hart dafür gearbeitet, um da zu sein, wo ich gerade stehe. Ich bin davon überzeugt, dass ich noch viel Entwicklungspotenzial besitze und ein guter Weg vor mir liegt.
Welcher Spieler des Jenaer Teams 2025/2026 kommt der Bezeichnung Vorbild am nächsten?
Grundsätzlich fand ich alle Jungs super professionell. Dennoch ragt mit Lorenz Bank einer heraus, der enorm viel Zeit, Vorbereitung und Energie investiert hat. Er war nicht nur spielerisch im Training eine wichtige Stütze für mich, sondern auch zwischenmenschlich und als Typ. Insofern möchte ich diese Gelegenheit auch gern nutzen, um mich bei Lorenz für seinen Support ganz herzlich zu bedanken.
Welcher Spieler – egal welche Liga – war im zurückliegenden Spieljahr dein härtester Gegner?
Das klingt sicher im ersten Moment seltsam, weil es einer meiner Mitspieler ist. Ich könnte jetzt Namen von einigen starken BBL-Spielern nennen, lege mich allerdings auf Maxim Bader fest. Er war sowohl in Weimar als auch im BBL-Training oder bei der NBBL ziemlich häufig mein direktes Matchup. Deswegen stand immer die Entscheidung: er oder ich. Da waren schon einige sehr persönliche Trainingseinheiten und noch mehr Trash Talk dabei. Das war eine ebenso herausfordernde wie schöne Dynamik. (lacht)
Dein Trikot des Charity Games war nach Joe Wieskamp und Alex Herrera das drittteuerste. Hast du selbst darauf geboten?
Nein, habe ich nicht und ich wollte eigentlich auch, dass keiner aus meinem Umfeld darauf bietet. Obwohl ich versucht hatte, meine Familie vom Kauf abzuhalten, ist es nun doch im Besitz meiner Mutter. Sie wollte das Trikot unbedingt haben und es war ja letztendlich auch für einen guten Zweck.
Was hast du im Sommer geplant? Nationalmannschaft? Urlaub? Off-Season-Training?
Ich werde über den Sommer einige Stationen zu absolvieren haben. Neben einem Adidas-Camp in Italien, auf das ich mich sehr freue, stehen natürlich auch die Lehrgänge mit der U20-Nationalmannschaft im Fokus, bevor im Juli die Europameisterschaft in Slowenien stattfindet. In diesem Jahr habe ich aber auch endlich einen Urlaub mit meinem besten Freund in Griechenland geplant. Der ist in den letzten drei aufeinanderfolgenden Jahren ausgefallen. Ich finde es super, dass er gewartet hat und da stehe ich schon irgendwie in der Pflicht.
Unter welchem der vier Coaches (Marius Linartas - NBBL, Farsin Hamzei - Regionalliga, Björn Harmsen bzw. Mike Taylor - BBL) hat das Training am meisten Spaß gemacht bzw. dich am stärksten gefordert?
Am meisten gefordert haben mich die Einheiten unter Björn. Er ist schon ein ziemlicher Perfektionist. Wenn man genau weiß, was von einem verlangt wird, ist es oft einfacher, das auch so umzusetzen, als nach Instinkt oder Spielgefühl zu gehen. Den meisten Spaß hatte ich im Training mit Farsin. Es gibt einige lustige Videos, in denen er auch bei den humorvollen Szenen mit Leidenschaft dabei ist. Solche Momente bleiben dann auch lange Zeit im Kopf.
Wie viel Anteil an deiner sportlich erfolgreichen Entwicklung hat deine Mum?
Einen enorm großen Anteil, sicher wesentlich mehr als 50 Prozent. Irgendwann zu Beginn hatte ich mal ans Aufhören gedacht. Das muss mit neun Jahren in der U12 gewesen sein und hing primär damit zusammen, dass alle anderen Spieler schon wesentlich weiter waren als ich. Es ging nicht nur darum, den inneren Schweinehund überwinden zu können, sondern als „Noch-nicht-mal-Rookie“ die ersten Schritte zu machen. Ich hatte anfänglich so gar keine Ahnung von nichts und die anderen waren schon viel, viel weiter. So etwas kann sehr demotivierend sein. Aber meine Mum hat mich während dieser keineswegs einfachen Phase unglaublich positiv unterstützt, mir wie eigentlich immer den Rücken gestärkt und das hat mir so viel Support gegeben, dass ich trotz aller Zweifel dabei geblieben bin. Sie hat mir auch in der Zeit meiner Verletzung im letzten JBBL-Jahr 2022 enorm geholfen und mich gemeinsam mit meinem Stiefvater gefahren, wenn ich mal nicht mit Krücken laufen konnte.
Welches Poster hängt gerade über deinem Bett?
Nicht über dem Bett, aber im Zimmer hängt ein Poster von Ja Morant, auf dem er gerade seinen Gegenspieler „postert“.
Warum trägst du die Trikotnummer 77?
Das ist ziemlich einfach zu beantworten und schließt den Kreis zur vorletzten Frage. Es ist das Jahr, in dem meine Mutter geboren wurde.


