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Desaster, Drama, Derbysieg – Emotionale Achterbahnfahrt endete mit Jenaer 85:72-Heimsieg gegen Chemnitz

In einer denkwürdigen Erstliga-Premiere, von der anwesende Senioren in ein paar Jahren sicher noch ihren Enkeln erzählen werden, bezwang Science City Jena am Samstagabend die NINERS Chemnitz mit 85:72. Das Harmsen-Team kompensierte im Verlauf der kurzweiligen wie unterhaltsamen 40 Minuten ein zunächst desaströses Startviertel, um nach einer dramatischen Aufholjagd den ersten Derbysieg in der easyCredit BBL zu feiern. 

 

Während der legendäre Ostklassiker in einer mit 3.125 Zuschauern ausverkauften Sparkassen-Arena alle Facetten des geilesten Sports der Welt bot, mit seiner Dramaturgie und Atmosphäre viel Werbung für den Basketball machte, präsentierten sich auch die beiden Fangruppen von ihrer besten Seite. Neben den gut 2.400 Jenaer Anhängern trugen knapp 700 Chemnitzer mit ihrem stimmungsvollen Support zu einem echten Highlight der bisherigen BBL-Saison bei.

 

Im Vorfeld der Begegnung wurden Jenas Headcoach Björn Harmsen als ProA-Trainer sowie Keith Braxton (kam im Sommer vom VfL Bochum an die Saale) als ProA-Spieler der Saison 2024/2025 von Vorstand Rico Gottwald als Vertreter der BARMER 2. Basketball Bundesliga ausgezeichnet und durch die Fans mit viel Applaus bedacht. 

 


Rodrigo Pastore (Headcoach Chemnitz): „Glückwunsch und Kompliment an Jena zu einem sehr verdienten Sieg. Wir sind so energisch gestartet, so wie wir uns das vorgenommen hatten. Dieser Plan ist 12 Minuten aufgegangen. Anschließend haben wir nicht mehr die gleiche Energie und defensive Disziplin gezeigt. Dies wurde von Jena mit erfolgreichen Körben bestraft. Auch beim Offensiv-Rebound war die Disziplin nicht da, und dann hatte das Ganze einen Dominoeffekt, besonders in der Eins-gegen-Eins-Verteidigung, die nicht gut funktioniert hat. Anschließend lief das Spiel über 25 Minuten, so wie Jena spielen wollte. Darauf haben wir keine Antworten gefunden und es am Ende nicht mehr geschafft, das Momentum zu drehen. Es geht darum, Energie und Verantwortung nicht nur in einem oder über anderthalb Vierteln zu zeigen, sondern über 40 Minuten. Uns sind heute zu viele Fehler unterlaufen, die es dem Gegner ermöglicht haben, ins Spiel zurückzukommen und dann in Führung zu gehen. Diese Niederlage war uns hoffentlich eine Lehre.“

 

Björn Harmsen (Headcoach Jena): „Wir sind sehr schlecht ins Spiel gestartet und waren, aufgrund der Bedeutung des Spiels, als Derby, alle zu nervös. Nach diesem Beginn haben wir aber über die Verteidigung ins Spiel gefunden, gut Druck gemacht und zunehmend mehr Stopps bekommen. Über die Defense konnten wir auch offensiv besseren Rhythmus finden und dann ist unser Spiel generell besser geworden. Wir haben auch die Lineups umgestellt und ein paar Jungs, die bereits in der letzten Saison großen Anteil am Erfolg hatten, mehr Spielzeit gegeben. Alex, Krissi und Lorenz haben super gespielt und gut verteidigt. Unsere Dreier im ersten Viertel waren nicht gut herausgespielt und ohne Rhythmus fällt dann eben auch kein Wurf. Dieser Heimsieg war, nach den ganzen Auswärtsspielen, enorm wichtig. Ich habe mich sehr über die Stimmung gefreut und es hat viel Spaß gemacht, vor so einer Kulisse zu gewinnen. Trotz der ewigen Rivalität, so freundschaftlich und ohne negative Emotionen aus dem Spiel zu gehen, war und ist echte Werbung für unsere Sportart.“

 


In der überaus stimmungsvollen und nicht für Klaustrophobiker geeigneten Sparkassen-Arena waren es zunächst die Gäste aus Sachsen, die Tempo, Ton und Rhythmus gleichermaßen vorgaben. Nachdem Yordan Michev in der 5. Minute mit seinem Korb zum 4:14 die erste zweistellige Chemnitzer Führung besorgt hatte, enteilte das Pastore-Team zwischenzeitlich auf 6:24 (8., 3er, Nike Sibande) und ließ die Thüringer mit metertiefen Sorgenfalten zurück. Zwei taktische Notbremsen hatte Björn Harmsen bereits in den ersten zehn Minuten ziehen müssen, welche allerdings wirkungslos verpufften. Obwohl Joe Wieskamp mit dem letzten Korb des Auftaktviertels auf 8:24 verkürzte, wirkte sein Dunk eher wie Ergebniskosmetik statt des Signals eines Comebacks. Speziell aus der Distanz (0/11 Dreier) hatten die Hausherren keinen Möbelwagen getroffen und sich einen statistisch tonnenschweren Rucksack aufgesetzt.

 

Jenas langer Weg der kurzen Schritte begann allerdings schon kurz nach Beginn des zweiten Viertels. Mit der ersten Offensivaktion nach acht gespielten Sekunden war es Lorenz Bank und sein erfolgreicher Dreier zum 11:24, der trotz des verheerenden Startabschnitts Hoffnung, Mut und Zuversicht bei Science City zurückkehren lies. Während der Ostklassiker in den anschließenden Minuten kontinuierlich Fahrt aufnahm und Robin Christen nach seinem Layup auf 20:32 (14.) verkürzte, hatte dann auch NINERS-Coach Rodrigo Pastore genug gesehen – Timeout Chemnitz. Zwar konnte Gavin Schilling mit seinem Alley Oop Dunk zum 20:34 kurz für Aufatmen bei den Gästen sorgen, doch schon im Gegenzug stopfte der in Richtung Chemnitzer Korb fliegende Joe Wieskamp nach Assist von Eric Washington den Ball ebenfalls spektakulär – 22:34. Science City war endgültig im Derby angekommen und servierte seine anschließende Aufholjagd bis zum Kabinengang als Fünf-Minuten-Terrine. Ein Korbleger von Alex Herrera 1.7 vor der Halbzeitsirene zum 36:41-Anschluss hatte die Tür dieses Duell endgültig wieder geöffnet und ließ die Jenaer Fans deutlich optimistischer auf die zweite Hälfte blicken.

 

Unter dem Motto „Nur der ist besiegt, der sich geschlagen gibt“, knüpfte das Harmsen-Team mit dem Auftakt in das dritte Viertel an die starke Schlussphase der ersten Halbzeit an. Lorenz Banks verwandelte Freiwürfe (erfreulicherweise Plural) sowie Eric Washingtons Dreier zum 41:43 hatten den zuvor mächtigen 18-Punkte-Vorsprung der Sachsen endgültig getaut und der Partie einen eigenen Drive gegeben. Nachdem Chemnitz anschließend erfolglos blieb, übernahm Krissi Krause die nächste Offense der Thüringer mit einer mutigen Penetration, ohne sich am Korberfolg hindern zu lassen. Seinen Korb zum 43:43-Ausgleich vergoldete der Defensivanker von Sience City mit einem Freiwurf zum 44:43, Jenas erstmaliger Führung des Spiels. Nachem bis zur letzten Pause weitere Richtungswechsel und ausgeglichene Zwischenstände folgten, gelang NINERS-Flügel Yordan Minchev 1.7 Sekunden vor der Sirene den Score zu drehen - 56:57.

 

Auch das Schlussviertel entwickelte sich anfänglich zu einem engen sowie hart umkämpften Kopf-an-Kopf-Rennen, in dessen Verlauf die Richtungen mehrfach kippten. Nach einem weiteren erfolgreichen Dreier von Minchev zum 60:64 (34.) liefen die Thüringer noch einmal kurzzeitig Gefahr, auf den entscheidenden Metern den Anschluss zu verlieren. Doch auch in dieser Phase blieben die Saalestädter stabil und konterten in Person ihres kleinsten Akteurs - Tavian Dunn-Martin. Zunächst hatte der US-Import aus der Distanz auf 63:64 verkürzt, bevor sein zweiter Dreier – aufgrund der Distanz von gut zehn Metern eigentlich ein Vierer – zur Jenaer 66:64-Führung im Korb der Gäste einschlug. Auszeit Chemnitz. Bis zum Stand von 71:68 in der 36. Minute wehrten sich die NINERS mit allen zur Verfügung stehenden Kräften gegen die drohende Derby-Niederlage, mussten sich auf der Zielgeraden letztlich aber doch der Wucht von Science City beugen. Great Osobor, Keith Braxton und Joe Wieskamp entschieden mit einem 7:0-Lauf zum 78:68 (38.) den denkwürdigen erste Ostderby-Klassiker in der easyCredit BBL zu Gunsten des Harmsen-Teams, bevor Hitchcock noch einmal hätte Regie übernehmen können.

 


Punkteverteilung: Washington 14, Dunn-Martin 13, Braxton 12, Wieskamp 12, Bank 11, Osobor 6 Herrera 5, Christen 5, Bohannon 4, Krause 3, Carter

 

Spielfilm: 1. Viertel 8:24 – 2. Viertel 36:41 – 3. Viertel 56:57 – 4. Viertel 85:72 

 

Kompletter Boxscore

 

Die Highlights im Dyn-Video  

 

 

 

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