Bonner Effizienz toppt Jenaer Ballverluste - Science City im Telekom Dome am Ende chancenlos
Lauwarmer Start, kaltes Ende – das Jenaer Gastspiel am Samstagabend vor 5.599 Zuschauern im Telekom Dome nahm zwar einen nicht unerwarteten Verlauf, allerdings doch eher unnötigerweise, denn mit Blick auf die tabellarische Rollenverteilung. Science City verlor beim rheinischen Playoff-Aspiranten am Ende deutlich mit 92:64, leistete den effizienten und phasenweise treffsicheren Gastgebern mit 22 Ballverlusten und 16 zugelassenen Offensiv-Rebounds jedoch kräftig Schützenhilfe.
Während die Gastgeber wie aus einem Airfryer kommend mit heißen Händen in das Duell starteten und ihre Würfe fast traumwandlerisch sicher verwandeln konnten, hielt Jena anfänglich noch Stand, bevor dem BBL-Aufsteiger die Zwischenstände zusehend entglitten. Die Rheinländer waren in der ersten Viertelpause bereits auf 37:21 enteilt, bevor es Science City gelang, bis zur Halbzeit auf 48:36 zu verkürzen. Obwohl sich der Beginn der zweiten Hälfte aus Jenaer Sicht zunächst vielversprechend entwickelte und das Harmsen-Team in der 27. Minute nach einen Dunk von Alex Herrera auf 59:53 verkürzt hatte, konterte Bonn mit einem 14:0-Lauf zum zwischenzeitlichen 73:53 und wehrte das Comeback der Thüringer gleichermaßen kalt wie erfolgreich ab.
Marko Stankovic (Headcoach Telekom Baskets Bonn): „Das war ein sehr wichtiges Spiel für uns. In unserem letzten Heimspiel haben wir gegen Rostock verloren und es war wichtig für uns, im Telekom Dome wieder zu gewinnen. Wir sind sehr zufrieden, wie die Mannschaft nach einer schwierigen Trainingswoche mit Verletzungen und einem neuen Spieler reagiert hat. Die Spieler haben mit gutem Fokus unseren Gameplan umgesetzt. Die Defense war aggressiv über das ganze Feld über das gesamte Spiel, was zu 22 gegnerischen Ballverlusten geführt hat. So konnten wir viele Schnellangriffe laufen. Gegen die Switch-Defense hatten wir ein paar Probleme und wir waren nicht zufrieden damit, wie wir die daraus kreierten Eins-gegen-Eins-Vorteile ausgenutzt haben. Das ist etwas, wo wir uns weiterentwickeln müssen. Ich gratuliere meinen Spielern zu der Leistung und wünsche Jena alles Gute für den Rest der Saison.“
Björn Harmsen (Headcoach Science City Jena): „Glückwunsch an Bonn. Wir waren heute relativ chancenlos. Bonn hatte am Ende 17 Würfe mehr als wir und 24 Punkte aus zweiten Wurfchancen gemacht. Wenn wir nach den Stopps nicht die Rebounds kontrollieren und so oft den Ball wegwerfen, dann haben wir wenig Möglichkeiten, das Spiel zu drehen. Wir haben im zweiten Viertel mit einer sehr passiven Verteidigung das Tempo aus dem Spiel rausgenommen und es auch weiter versucht, doch irgendwann ist das Spiel wieder gekippt.“
Obwohl die Telekom Baskets zunächst besser in die Partie fanden und in der 2. Minute durch Joel Aminu auf 8:2 (2.) enteilt waren, hielt Science City nicht nur Anschluss, sondern bewahrte auch die Nerven, um im weiteren Verlauf durch Robin Christens Dreier auf 12:12, später durch Keith Braxton auf 14:14 (5.) auszugleichen. Was anschließend folgte, lässt sich wohl nur mit „zur falschen Zeit am falschen Ort“ erklären. Ausgerechnet gegen die Thüringer erwischte Bonn einen goldenen Abend aus der Distanz, der schnell dazu führte, dass Jena zunehmend immer deutlicher in Rückstand geriet. Egal welcher Akteur der Hausherren sein Glück jenseits der 6,75m-Marke versuchte, die Würfe schlugen reihenweise im Gäste-Korb ein und sorgten für einen kontinuierlich anwachsenden Vorsprung, der mit dem Zwischenstand von 37:21 in die erste Viertelpause ging. Mit stolzen 64 Prozent (7/11) aus dem Land der Dreier waren die Rheinländer bis dato nicht zwingend das bessere Team, dafür jedoch der klar treffsichere Part beider Konkurrenten.
Doch Science City zeigte im zweiten Abschnitt robuste Nehmerqualitäten. Trotz fahrlässiger Missachtung der Trainer-Vorgabe „Take care of the ball“ gelang es dem Harmsen-Team, sich mit zunehmender Spielzeit zu entrunden. Während bei den Gastgebern die Trefferquote merklich sank, unterliefen Jena in dieser Phase allerdings reihenweise Ballverluste, die einen noch engeren Halbzeitstand als den Score beim 48:36 zur großen Pause verhinderten. Bereits elf Turnover, davon acht allein im zweiten Viertel, hatten sich die Saalestädter bis zum Gang in die Kabine geleistet und es verpasst, noch näher aufzuschließen.
Ungeachtet der Fehler im Spielaufbau setzte der BBL-Aufsteiger nach Beginn der zweiten Hälfte seine Aufholjagd zunächst fort. Zwei Dreier von Joe Wieskamp und Robin Christen zum zwischenzeitlichen 58:49 vergoldete Alex Herrera im Fastbreak zum 58:49 (25.). Nachdem Uchenna Iroegbu in der 26. Minute auf 59:51 verkürzt hatte, folgte ein Timeout von Marko Stankovic, um den Fokus seines Teams zu schärfen. Doch die Thüringer blieben auch kurz nach der Auszeit (noch) im Flow. Nachdem Alex Herrera's dritter Dunk zum 59:53 (27.) kurzzeitig die Hoffnung auf ein Jenaer Comeback geweckt hatte, erwies sich der auf sechs Punkte geschrumpfte Rückstand letztendlich nur als Strohfeuer. In den verbleibenden Minuten des dritten Abschnitts konterten die Rheinländer eiskalt und legten mit einem 14:0-Lauf bis zum 73:53 in der 30. Minute vorzeitig den Grundstein zu ihrem Sieg.
In der Endabrechnung waren Science City 22 Turnover unterlaufen (Bonn lediglich 9) und auch wenn der Kampf unter den Körben mit 37:37 unentschieden ausging, hatten die Telekom Baskets ihre 16 Offensiv-Rebounds zu 24 Second Chance Points (Jena 7) genutzt. Neben der besseren Quote aus dem Feld kamen die Hausherren in Summe auf 74 Würfe, von denen 35 Bälle (47 Prozent) durch das Netz fielen. So blieb Science City mit in Summe 25 von 57 (44 Prozent) verwandelten Schüssen nur die Rolle des Gratulanten.
Punkteverteilung: Wieskamp 17, Herrera 9, Bohannon 7, Bank 6, Braxton 6, Christen 6, McNair 5, Iroegbu 5, Krause 3, Carter
Spielfilm: 1. Viertel 37:21 – 2. Viertel 48:36 – 3. Viertel 73:53 – 4. Viertel 92:64


